Alibaba und die 1000 Supplier
Was ist der erste Gedanke, der einem zum Namen Alibaba in den Kopf kommt? Richtig, der gute Mann mit den 40 Räubern. Und tatsächlich existiert eine Verbindung zwischen eben diesem und dem Business to Business (B2B) Webportal mit gleichem Namen.
Einer der Gründer von Alibaba, der heutige CEO Jack Ma, wählte diesen Namen aufgrund seines hohen Widererkennungswertes. Er fragte eine ganze Reihe von zufällig ausgewählten Leuten auf den Straßen San Franciscos, ob sie denn den Namen Alibaba kennen würden. Jeder, ob Asiat, Amerikaner oder Europäer, nannte eine dieser beiden Antworten: „Der mit den 40 Räubern“ oder „Sesam öffne dich“.
Heute bildet die Alibaba Group ein Tor oder besser ein Portal im Web. Vor allem für Firmen, die Geschäftspartner suchen. Dieser Artikel soll sich nicht lange mit einer reinen Beschreibung des Unternehmens aufhalten, denn dafür gibt es ja heute Wikipedia. Ich halte es an dieser Stelle für wichtiger, auf die Frage der Vertrauenswürdigkeit des Portals einzugehen.
Ein paar relevante Zahlen und Fakten sollen jedoch auch nicht fehlen.
Die Alibaba Group…
- wurde 1999 in Hangzhou (China) gegründet
- gehört zu 39% Yahoo!
- besteht im Wesentlichen aus 5 Unternehmensteilen (Yahoo China, Taobao.com, Alibaba.com, Alipay und Alisoft)
- hat es mit ihrem C2C Portal Taobao.com geschafft Ebay fast völlig aus dem chinesischen Markt zu drängen
- ist laut Alexa die 138 meist aufgerufene Website weltweit, (China: Nr. 32, Deutschland: 736, USA: 422, UK: 343)
- verzeichnet die meisten Käufer aus Asien (34%). Danach folgen Europa (20,4%), Nordamerika (20,4%), der Mittlere Osten (8,5%), Afrika (7,4%) Lateinamerika (4,7%) und Australien/Ozeanien (4,3%)
Die Website hat sich seit ihrer Gründung vor zehn Jahren zum größten B2B Portal im WWW entwickelt. Nach wie vor kommt der Hauptteil der Anbieter aus China, was für westliche Abnehmer aufgrund der vergleichsweise günstigen Preise interessant ist.
Betrachten wir einen typischen Fall: Eine deutsche Firma sucht einen billigen Zulieferer aus Asien. Fündig wird man auf dem Portal bei nahezu jedem Produkt. Von Kleidung bis hin zu allen Produkten rund um den Halbleiter.
Das wohl größte Problem, mit dem sich Alibaba konfrontiert sieht, ist die Glaubwürdigkeit. Anders formuliert, wie kann ich als deutsche Firma wissen, dass ein dort inserierendes Unternehmen
- die gewünschte Ware liefert? dass
- die Qualitätsstandards, Stichwort ISO, eingehalten werden? Und woher weiß ich, dass
- ich im Falle der nicht fristgerechten oder nicht qualitätsgerechten Lieferung hinreichend entschädigt werde? und
- an welche juristischen Instanzen ich mich im Zweifelsfall wenden kann?
All das mögen Gründe sein, die einen westlichen Abnehmer zögern lassen, eine vertragliche Bindung einzugehen. Wohl gemerkt reden wir hier nicht von Bestellungen, die ein gewisses Auftragsvolumen übersteigen. Jede Firma, die eine größere Summe an Geld investiert, wird sich selbst vor Ort ein Bild von der Firma zu machen. So können Risiken zu einem gewissen Teil verringert werden. Einige Risiken bleiben jedoch, wie bei jedem Import-Export Geschäft mit neuen Partnern, trotzdem bestehen.
Ich bin bei einem amerikanischen Unternehmen in China tätig und habe mich gerade letzte Woche mit Vertretern von Alibaba getroffen, da unsere Firma auch inserieren möchte. Dies bildet meine Informationsgrundlage für die Preise und Leistungen.
Von Alibabas Seite gibt es lediglich begrenzte Hilfe einen vertrauenswürdigen Partner zu finden. So ist die Namensgebung „Golden Supplier“ für liefernde Unternehmen aus meiner Sicht etwas unglücklich gewählt. Ein solcher „Golden Supplier“ hat lediglich die Standardvariante der Mitgliedschaft gewählt. Trotzdem macht der Begriff einen vertrauenswürdigen ersten Eindruck.
Darüber hinaus wird eine Prüfung der Unternehmen durch eine dritte Partei durchgeführt, was mir auf Nachfrage eher so erschien, als wenn jemand prüft, ob dort tatsächlich eine Firma ist oder lediglich ein Briefkasten. „They have their ways to prove it“. Für Qualität oder Glaubwürdigkeit hat auch dies leider keinerlei Aussagekraft.
Die „Golden Supplier“ – Mitgliedschaft kostet zur Zeit 19,800 RMB pro Jahr, was zum heutigen Wechselkurs 2033Euro entspricht. Der Service, den man dafür erhält ist jedoch recht gut und reicht von Mitarbeiterschulung (zur effektiven Nutzung des Portals), bis hin zu vielseitigen Möglichkeiten seine Waren darzustellen. Bedenkt man die Größe der meisten inserierenden Unternehmen, so ist die Investition in diesem Fall gering und der Wert für das Marketing hoch.
Man kann annehmen, dass ein herkömmlicher Internetuser nicht auf unser Inserat stoßen wird, dafür jedoch Einkäufer, die im Internet nach speziellen Produkten suchen. Wer also auf eine von Alibaba erstellte Unternehmensprofil-Seite zugreift (hier ein Beispiel), wird auch ein Interesse an dem Produkt mitbringen. Sollte es auch zu nur einem neuen Kunden führen, haben sich die gut 2000Euro mehr als rentiert.
Wesentlich kostspieliger wird eine Mitgliedschaft, wenn man besser in den Suchergebnissen gelistet werden möchte. Die erste Position kostet satte 96000RMB, was 9860 Euro pro Jahr entspricht. Die Ränge 2 bis 10 sind für 43200RMB (4436€) zu haben und will man zwischen Rang 11 und 20 gelistet werden kostet dies 24000RMB (2465€).
Eine durchaus interessante Rechnung, wenn man bedenkt, dass einige Abnehmer bereit sind hohe Summen an Geld zu investieren und von Alibabas Seite angenommen wird, dass diese nicht lange recherchieren, sondern eines der ersten Ergebnisse wählen würden. Für Unternehmen, die kleinere Aufträge generieren wollen mag dies vielleicht Sinn machen, doch ob sich die Investition von 4436Euro oder gar 9860 Euro rentiert, ist nicht schwer zu beantworten.
Aus meiner Sicht bildet Alibaba eine einzigartige Möglichkeit für produzierende Unternehmen sich einer großen Anzahl an Einkäufern zu präsentieren. Schafft es Alibaba in den nächsten Jahren, die Probleme der Glaubwürdigkeit in den Griff zu bekommen und kann zudem ihr Portal noch hier und dort verbessern, wird das Unternehmen auch die enormen Wachstumspotentiale in Indien, Pakistan, Südostasien, und, und, und realisieren können.
Bei Fragen zu Alibaba stehe ich gerne hier, via Mail (markussekulla@gmail.com) oder auf Xing zu Verfügung.

Hallo Herr Sekulla,
vielen Dank für Ihren Beitrag zu Alibaba.
Die Frage, die mich natürlich ebenso beschäftigt, wie vermutlich die meisten Interessenten, ist die nach der Sicherheit – Geld gegen Ware.
Leider finde ich die Antwort in Ihrem Beitrag auch nicht so recht. Es sei denn, ich mache mich auf die Reise nach China.
Gibt es darüber hinaus noch weitere Hinweise oder Hilfen, ob ein Anbieter vertrauenswürdig ist?!
Ich interessiere mich für die Einfuhr von Handy Zubehör, Batterien und Computerkomponenten – alles für den Verkauf in Deutschland.
Vielen Dank für Ihre Hilfe.
Torsten Schimanski
[...] Klassiker. Knallig, einfach,gut. Vielleicht ging es nur mir so, weil ich eine spezielle Beziehung zum Unternehmen Alibaba hege, doch mir kam es so vor als wenn sehr viele Leute diese orange leuchtenden Taschen getragen [...]