PR 2.0: Der Konsument wird zu einem relevanten Medium

4. Juni 2009
von

Die Entwicklung vom Konsumenten zum Prosumenten in Social Media setzt im Bereich der Kommunikation neue Standards. Der rasante Zuwachs der Nutzerzahlen auf den nutzergenerierten Medien sollte die PR immer mehr dazu veranlassen, ihren Fokus im Bezug auf ihre Medienarbeit neu zu justieren. Noch vor ein paar Jahren konzentrierte sich die Arbeit in der Unternehmenskommunikationen bzw. der PR in der Ansprache der klassischen Multiplikatoren, also der Massenmedien. So dienten in der Zeit vor Social Media Print, TV und Radio als der Königsweg um die breite Masse von Stakeholdern zu erreichen. Waren es früher Redakteure und Journalisten die als Gatekeeper darüber entschieden, welche Nachricht ihre Leser und damit die Stakeholder der jeweiligen Unternehmen erreichten, wird diese Filterposition durch Social Media umgegangen. Dieser Umstand hat natürlich Konsequenzen für die PR:

When people talk about the “Death of Public Relations,” it doesn’t bother me at all. I know what they are talking about. They are talking about the death of MEDIA RELATIONS.
That’s what PR’s been all about for the past 50-odd years. After all, during that era, the only way to reach the masses in a reliable way was through mass media.

Todd hat grundsätzlich Recht. Ich würde aber nicht vom bevorstehenden Tod der Beziehung zwischen den Massenmedien und der PR reden. Trotz sinkender Auflagenzahlen und der Flaute bei den Werbe Spendings im TV, die klassischen Massenmedien werden durch ihre Reichweite vorerst immer noch sehr relevant für Kommunikatoren bleiben. Doch die PR ist nicht länger ausschließlich an die Strahlkraft der klassischen Medien gebunden. Social Media wird in Zukunft den klassischen Weg der Kommunikation immer stärker ergänzen. So werden Kommunikatoren nicht mehr länger nur durch die Filter der Massenmedien mit ihrer Zielgruppe „kommunizieren“, sondern auch mit ihren Stakeholdern direkt und ungefiltert in den nutzergenerierten Medien einen Dialog führen.

Reporters and analysts are now sharing the stage with a new generation of influencers. In addition to a still relevant process of media relations, we now need to expand our scope of participation and outreach by also identifying, understanding, and engaging the everyday people who have plugged-in to a powerful and democratized online platform.

Wie Brian richtig bemerkt- Social Media demokratisiert die Verteilung von Informationen. Das bedeutet, dass nicht mehr nur die Redaktionen dieser Nation die relevanten Multiplikatoren sind, sondern auch der Konsument als Influencer in Social Media eine nicht zu unterschätzende Relevanz besitzt. Daher wird in Zukunft, auch in Deutschland, der Fokus der PR nicht länger nur auf den Massenmedien liegen, sondern umfasst die Zielgruppe selbst. In diesem Zusammenhang bekommt der Begriff Public Relation eine sehr authentische Bedeutung. Social Media wird Kommunikatoren früher oder später auf eine direkte Art mit der Öffentlichkeit in den Dialog treten lassen.

Social Media bedeutet also mit nichten den Untergang der Public Relation. PR 2.0 bedeutet vielmehr eine Herausforderung für die Kommunikationsbranche. Die Erweiterung um den sehr speziellen Kommunikationskanal, welcher direkt und unmittelbar an die Zielgruppe heranführt, ist sehr vielversprechend. Falls sich Kommunikatoren für diesen Weg entscheiden, sollten sie aber folgendes beachten: Die Voraussetzung für einen intensiven und fruchtbaren Dialog, ob er nun offline oder online stattfindet, ist Vertrauen. Vertrauen der User fällt nicht vom Himmel, sondern muss über die Zeit aufgebaut werden. Aus diesem Grund benötigt die PR auf den nutzergenerierten Kanälen Langfristigkeit und so viel Authentizität wie möglich.

Tags: , , , , ,

7 Antworten zu PR 2.0: Der Konsument wird zu einem relevanten Medium

  1. Roland on 4. Juni 2009 at 17:13

    Auch hier also wieder die Begegnung “classic und online”. :-)
    Eine Ergänzung von mir: Nicht nur die Verteilung der Informationen verändert sich; es ist anderer Sprachstil notwendig, damit PR sich wirksam diesen neuen Stakeholdern nähern kann. Vielleicht ändert das mit der Zeit ja auch die Haltung von z.B. Politikern, die immer noch in alter PR-Rethorik-Schule zu häufig am Volk “vorbeisprechen”.

    Zum Thema “Vertrauen” habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht. Wen es interessiert: http://www.werbeblogger.de/2008/01/30/vertrauen/

  2. Josef Ernst on 4. Juni 2009 at 22:45

    Das ist alle richtig. Aber wir sollten nicht vergessen, dass gute PR und guter Journalismus immer schon “basis-demokratisch” war, von den Kaffee-Häusern Londons im 18. Jahrhundert über Einzelkämpfer wie Irving Stone bis zu Twitter. Der eigentliche Unterschied zu früher liegt darin, dass die basis-demokratische Meinungsbildung heutzutage nicht mehr einzufangen ist.

  3. Josef Ernst on 4. Juni 2009 at 23:07

    Nachtrag: Wir sollten auch nicht vergessen, dass PR Kommunikation strukturiert und nachvollziehbar macht (Edward Bernays). Es wird interessant sein zu sehen, welche neuen Knotenpunkte es im weiten Feld von PR 2.0 geben wid, um dieses Grundbedürfnis zu befriedigen. Ohne diese Rationalisierung würde Twitter zu Chatter.

  4. Josef Ernst on 4. Juni 2009 at 23:07

    Nachtrag: Wir sollten auch nicht vergessen, dass PR Kommunikation strukturiert und nachvollziehbar macht. Es wir interessant sein zu sehen, welche neuen Knotenpunkte es im weiten Feld von PR 2.0 geben wid, um dieses Grundbedürfnis zu befriedigen. Ohne diese Rationalisierung würde Twitter zu Chatter.

  5. Stefan Bee on 6. Juni 2009 at 13:23

    … es gibt noch viel zu tun!!! Nachdem man den Sinn aber erst Mal verstanden hat, vor allem qualitativ: ein zum Schmunzeln sehr zu empfehlendes Beispiel sind die neuen Politiker-Profile im studiVZ (kleiner Fünfzeiler mit dem Schlussatz “wähl mich bitte” + ein paar optisch aufbereitete Links… sehr witzig!)

  6. Prosument 2.0 - denk selbst! on 19. August 2009 at 18:39

    [...] auch Medienunternehmen und die Politik wären (sind) von diesem Wandel betroffen. Auf digital-conversation.de kann man mehr zur Thematik "Prosumer und Medien" lesen, sehr empfehlenswert um die Tragweite einer solchen Entwicklung zu [...]

  7. Dirk Fuhlhage on 19. August 2009 at 19:00

    Ich teile die “Vision” des Prosumenten und beschäftige mich im Zuge meiner Diplomarbeit mit der Thematik. Vor allem geht es um die Veränderungen im produzierenden Gewerbe durch das “Prosumententum”.

    Da ich gerade die Texte von Alvin Toffler lese, habe ich auf meinem Blog auch einen Artikel mit der Überschrift “Prosument 2.0″ verfasst:
    http://www.denk-selbst.com/2009/08/19/prosument-2-0//

    Ich würde mich über andere Sichtweisen und Gedankenanstöße freuen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Kategorien