Spieglein, Spieglein an der Wand…

19. Mai 2009
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Was haben Unternehmenschefs, Politiker und Stammtischbrüder gemeinsam? Sie alle kennen die Zukunft: Der CEO gibt in der Bilanzpressekonferenz mit jovialer Mine Umsatz und Ergebnis der nächsten 12 Monate bekannt, Politiker sagen Rentenzahlungen voraus und wissen, welche Industrien relevant für die Gesellschaft sind, und Stammtischbrüder – sie wissen ohnehin wo der Hase lang läuft und würden es “denen da oben” ganz gern erzählen.

Wir merken: die einzigen, die wirklich wissen, was uns in den nächsten Jahren erwartet, sind die Zukunftsforscher. Nur sie verfügen über geeignete Instrumente, um uns die Zukunft schon heute zu erklären. Wirklich nur die Zukunftsforscher? Was ist mit dieser kleinen Gruppe an Unbeugsamen, die sich standhaft jeglicher wissensanmaßenden Vereinnahmung erwehren und zu bescheiden sind, um das Wort Zukunft in den Mund zu nehmen: die Bürger, die Masse?

Schon John Brunner beschrieb 1975 in seinem Science Fiction Roman The Shockwave Rider mit dem “Delphi Pool” den Platz, an dem das Wissen vieler einzelner für Zukunftsprognosen genutzt werden kann. Aber erst mit James Surowieckis Wisdom of Crowds (2004) wurde der Begriff des Prediction Markets einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Seit 2007 gibt es gar ein den Prediction Markets gewidmetes Magazin sowie einen eigenen Interessensverband. Die Theorie eines – mitunter auch Information Market genannten – Predictive Markets besteht darin, anstelle von – gerne willkürlich und stark selektiv eingeholten – Expertenmeinungen die Aussagen Vieler (Laien) zu aggregieren und daraus eine Prognose auf ein zukünftiges Ereignis ableiten zu können.

Da Menschen meist dann zu ernstgemeinten Aussagen neigen, wenn Geld im Spiel ist, sind in der Praxis hauptsächlich Online-Wettplattformen entstanden, auf denen jeder Internetnutzer Wetten auf die Zukunft abschliessen kann. Die bekanntesten Beispiele sind intrade und betfair. Analog zu einem Optionsgeschäft an einer Aktienbörse, setzt der Teilnehmer auf das Eintreffen eines bestimmten Ereignisses innerhalb eines fest definierten Zeitraumes. Innerhalb des Zeitraumes kann er seinen Einsatz jederzeit verkaufen – solange er Käufer findet. Und genau das aus der Theorie bekannte Problem mangelnder Liquidität scheint der grösste Hemmschuh für Prediction Markets in der Praxis zu sein. So sind bereits einige auch von namhaften Unternehmen und Institutionen gelaunchte Prediction Markets aufgrund zu geringer Teilnahme wieder eingestellt worden. Insbesondere unternehmensinterne Prediction Markets scheinen unter mangelnder Teilnahme zu leiden, was die Bank Lloyds TSB dazu veranlasste, Teilnehmer ihres auf einem Punktesystem basierenden internen Marktplatzes die Teilnahme mit Bargeld zu vergüten.

Mit Media Predict und HubDub sind zwei Prediction Markets im Bereich allgemeiner Nachrichten unterwegs. Während auf Media Predict Nutzer mit echtem Geld wetten, langt es bei HubDub nur zu Spielgeld und der gewonnenen Ehre bei eingetroffenem Ereignis.

Basierend auf der Nachrichtencommunity YiGG wird in Kürze der erste allgemeine deutschsprachige Prediction Market gelauncht. Registrierte YiGG-Nutzer können zu jeder der täglich eingestellten 500+ Nachrichten eigene Spekulationen anlegen. Innerhalb des vorgegebenen Zeitraumes können YiGGer ihre Punkte (YiPPs) für oder gegen die jeweilige Spekulation einsetzen. Auch auf den YiGG Spekulationen geht es um Spielgeld, da die rechtlichen Rahmenbedingungen den Einsatz echten Geldes bisher nicht erlauben. Damit müssen die YiGG Spekulationen zwei große Hürden nehmen, um im Ergebnis die von James Surowiecki postulierte Weisheit der Masse zu produzieren: es müssen ausreichend viele Teilnehmer dazu motiviert werden, ernsthaft zu spekulieren. Der stetige Nachrichtenfluss als Basis für neue Spekulationen soll dies erleichtern.

Was sind die Ziele der YiGG Spekulationen als Prediction Market?
1. Viele Nachrichten beinhalten spekulative Elemente: Welcher Politiker wird gewählt? Welcher Promi trennt sich von seinem Partner? Wir erhoffen uns, Fragen wie diese besser beantworten zu können.
2. Das Wissen der Laien nutzbar machen: Alle Menschen verfügen in bestimmten Lebensbereichen über großes Wissen. Dieses Wissen soll besser erfahrbar und nutzbar gemacht werden.
3. Schwarze Schwäne aufspüren: Die Welt ist nicht so simpel und erklärbar wie gedacht. Experten verfügten über alle Detailkenntnisse, die zur Finanzkrise geführt haben. Aber niemand hat sie vorhergesehen. Schwarze Schwäne galten bis zu ihrer Entdeckung als Hoax. Schwarze Schwäne sind nur ausserhalb der Normalverteilung zu entdecken. Dazu sollen die YiGG Spekulationen einen Teil beitragen.

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Eine Antwort zu Spieglein, Spieglein an der Wand…

  1. Michael on 3. September 2009 at 23:05

    Heute haben wir die YiGG Spekulationen http://yigg.de/spekulationen gelauncht.
    Würde mich über Feedback freuen!

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